Schloss Ballenstedt

Folgender Text ist der Ausgabe “Sachsen-Anhalt”, Seite 81 – 85, der Sammler-Edition “Faszination Burgen und Schlösser” der Verlagsgruppe Weltbild GmbH entnommen. Wir haben die freundliche Genehmigung, den Text zu veröffentlichen. Jede weitere Nutzung muss erst beim Weltbild-Verlag beantragt werden, bei dem die Urheberrechte für das Werk liegen.

Schloss Ballenstedt

Residenz der Askanier und Anhaltiner

In exponierter Lage auf einer Anhöhe am Nordrand des Unterharzes thront Schloss Ballenstedt. Der majestätisch aufragende Westriegel der Kernanlage, um die sich ein Komplex beeindruckender, vornehmlich klassizistischer Gebäude gruppiert, ist weithin sichtbar.

Die “Wiege Anhalts”

Schloss Ballenstedt thront über der Stadt
Schloss Ballenstedt thront über der Stadt

Noch vor den Burgen Aschersleben und Anhalt war die Burganlage über Ballenstedt im 11. und 12. Jahrhundert der Stammsitz der Askanier, dem Geschlecht aus dem ab 1157 die Markgrafen von Brandenburg, später die Herzöge von Sachsen sowie die Fürsten und Herzöge von Anhalt hervorgingen. Mit einigem Recht trägt das herrschaftliche Schloss daher auch den stolzen Beinamen “Wiege Anhalts”. Noch heute wirkt es, als wache es zudem über die zu seinen Füßen liegende, gleichnamige Stadt. Deren Name bedeutet “Stätte oder Hof des Edlen Ballo” und erinnert an den thüringischen Adligen Ballo, der im Jahr 531 – wahrscheinlich am Platz der heutigen Unterstadt – eine erste Siedlung anlegte.

Erste Stammburg der Askanier

Burg Ballenstedt wurde erstmals urkundlich 1046 anlässlich der Weihe eines Augustiner-Chorherrenstifts auf dem heutigen Burgberg im Beisein des Salier-Königs Heinrich II. erwähnt. Gegründet hatte das Stift drei Jahre zuvor der askanische Graf Esiko von Ballenstedt, der seit 1032 als Sohn und Nachfolger seines Vaters Adalbert, des ersten namhaften Vertreters des anhaltischen Hauses, als Graf im Harzgau regierte. An ihn erinnert eine an der Hauptapsis des Nordflügels angebrachte Tafel mit der Inschrift “HESICO COMITE C” – “von Graf Esiko gegründet”.

Das Kloster entsprach in seinen Ausmaßen vermutlich dem Kern der heutigen Schlossanlage – mit der Stiftskirche im Norden, dem im Westen an sie angrenzenden, einem massiven Turm ähnlichen Westriegel sowie drei den Klausurhof nach Osten, Süden und Westen umrahmenden Flügelbauten. Das kleinteilige Mauerwerk im Sockel des Westbaus datiert aus jener Zeit; die teilweise erhaltene Krypta soll um 1073 als fünfschiffige, kreuzgratgewölbte Anlage unter einer Choranlage nachträglich unter den Sakralbau gegraben worden sein.

Ein Bendediktinerkloster

Blick auf den Kirchenflügel

Zwei der berühmtesten Askanier veranlassten um 1123 die Umwandlung des Stifts in ein Bendiktinerkloster: Esikos Enkel Graf Otto der Reiche, der 1106 als erster seiner Familie den Titel “von Ballenstedt” führte, und sein Sohn Albrecht I. der Bär. Damals scheinen das Kloster mit seinem streng geregelten Alltag und die Grafenburg nebeneinander existiert zu haben – was sicher einige Schwierigkeiten barg. Vielleicht auch aus diesem Grund wählte Graf Otto seine um 1120 über dem Selketal erbaute Burg Anhalt als neue Hauptresidenz.

Durch die von Albrecht erfolgreich vorangetriebene Ostexpansion verlagerte sich das anhaltische Machtzentrum bald weiter nach Osten, und Ballenstedt verlor an Bedeutung. Nachdem das Kloster im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach fremde Herren hatte erdulden müssen, plünderten es aufständische Bürger und Bauern des Umlandes 1525. Im Oktober desselben Jahres übergab schließlich der letzte Abt des Konvents, Matthias Ribke, Ballenstedt an Fürst Wolfgang von Anhalt, der sich der Reformation angeschlossen hatte.

Zerstörung und Aufbau

Ballenstedts neuer Eigentümer begann umgehend, die Anlage zu einer den anhaltischen Herrschern würdigen Residenz umzugestalten, indem er um 1530 den Westflügel für deren Aufenthalte sanieren ließ. Unter Fürst Joachim-Ernst von Anhalt-Köthen wurde 1578 die Klosterkirche erneuert und mit Wappenscheiben ausgestattet. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt das Schloss aber erneute Verwüstung. Die größten Schäden hinterließen 1626 Truppen des kaiserlichen Generalissimos Albrecht von Wallenstein. Ab 1692 nahm sich Fürst Victor Amadeus von Anhalt-Bernburg der Stammburg seiner Ahnen an: Er veranlasste den Neubau des Südflügels. Der mit seinen ungegliederten Fensterreihen schlicht wirkende, zum Hang drei-, zur Hofseite zweigeschossige Trakt diente den Fürsten nun statt des Westflügels als Wohnstätte.

Glanzvolle Fürstenresidenz

Victor Amadeus’ Sohn Victor Friedrich, ein begeisterter Jäger, bevorzugte Ballenstedt als Sommer- und Jagdresidenz und betätigte sich als eifriger Baumeister. 1732/33 wurde auf sein Geheiß hin im Süden des Schlossplatzes das massive, dreigeschossige Jagdzeughaus hochgezogen. 1748 ersetzte dann ein neuer Nordflügel, der auch Kirchflügel genannt wird, die alte Klosterkirche. Der Braunschweiger Landbaumeister Martin Peltier gilt als Schöpfer dieses palaisartigen Bauwerks. In dessen Westen lagen die Gemächer der Fürsten, im Osttrakt die neue Schlosskirche, ein rechteckiger, muldengewölbter Emporensaal mit einer dem Kanzelaltar gegenüberliegenden Fürstenloge.

Ballenstedts Blütezeit

Großer Gasthof

Unter Victor Friedrichs Erbe, Fürst Friedrich Albert von Anhalt-Bernburg, erlebte Ballenstedt seine Blütezeit. Für ihn bauten ab 1766 Martin Peltier, nach dessen Tod Johann Gottfried Meinecke sowie der Bernburger Bauinspektor Johann Georg Strauch den Südflügel zur standesgemäßen Wohnung um. Im Ober- geschoss des eleganten Treppenhausrisalits befand sich der “Weiße Saal” mit dahinter liegender, von Rocaille-Stuckdecken gezierter Enfilade sowie das so genannte Römische Zimmer. Letzteres erhielt um 1788 Leinwandbespannungen mit Darstellungen römischer Ruinenszenen, die der Berliner Prospektenmaler Johann Fischer nach Vorlagen von Hubert Robert und Charles-Louis Clérisseau schuf.

Das Jagdzeughaus seines Vaters wandelte Friedrich Albert 1765 in den “Großen Gasthof” um. Dessen Prunkstück war der von Peltier entworfene Redoutensaal in den beiden Obergeschossen des Mittelrisalits, in den ein runder, von einem Gang umgebener Mittelsaal mit Galerie eingefügt war.

Kultur und Kunst

Schlosstheater

Friedrich Albrecht betätigte sich zudem als Förderer von Kunst und Kultur: 1788 errichtete er vor dem Schlosshof ein Theater, in dem 1852 Franz Liszt das Dritte Anhalt-Bernburgische Musikfest zelebrierte.

Mit Fürst Alexius “Alexis” Friedrich Christian von Anhalt-Bernburgs Erhebung zum Herzog folgte ab 1808 eine weitere Phase, in der Ballenstedts Regenten ihre Residenz repräsentativ erweiterten. Alexis ließ etwa den Neuen Stock hangseitig um ein Zweifaches zum Nordostflügel ausbauen. Zur Hochzeit von Herzog Alexander Carl von Anhalt-Bernburg mit Friederike Caroline Juliane von Holstein-Sonderburg-Glücksburg 1834 wurde dann der Südflügel nach Entwürfen von Johann Adolf Philipp Bunge als Wohnappartement des Paares hergerichtet. Davon zeugen die verglasten, stilvoll dekorierten Trennwände zwischen Treppenhaus und Flur des Obergeschosses. Zur Ausstattung der Räume beschaffte Bunge edles Mobiliar aus Leipzig; die Wände schmückten Gemälde aus dem Nachlass des Markgrafen Friedrich Karl von Brandenburg-Schwedt, Porträts anhaltischer Fürsten sowie eine Kupferstichsammlung. Das wertvolle Inventar ging – bis auf wenige Gemälde – in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren.

Friederike verdankt das Schloss seinen noch heute viele Besucher anlockenden Schlosspark. Die Herzogin beauftragte den berühmten preußischen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné mit der Erweiterung des 1765 am Nordhang des Schlosses entstandenen barocken Lustgartens zu einer terrassierten Landschaftsgartens mit großer Wasserachse und sprühenden Fontänen.
Nach dem Tod Alexander Carls 1863 ging Ballenstedt an die Dessauer Linie der Anhaltiner Herzöge, die den Nordostflügel als Jagd- und Sommersitz nutzte. Den Südflügel bewohnte bis 1902 Herzoginwitwe Friederike.

Neue Nutzung

Nach 1918 unterhielt die Familie von Anhalt Schloss Ballenstedt als Privatwohnsitz. 1945 wurde sie enteignet und vertrieben. Ihre ehemalige Residenz war bis 1949 sowjetisches Lazarett und beherbergte anschließend bis 1990 eine Forstfach- schule. Zu diesem Zweck räumte man die Kirche und teilte sie in zwei Geschosse sowie Klassenräume. Nach 1990 übernahm die Stadt Ballenstedt das Schloss.

Umfassend saniert, dient die Anlage heute als Kulturzentrum mit Galerie- und Veranstaltungsräumen. Im Emporensaal des Kirchflügels können Trauungen vorgenommen werden. Und am Platz des 1995 abgerissenen Großen Gasthofs hat seitdem ein diesem nachempfundenen Hotel eröffnet.

1. Nordostflügel

2. Kirch- oder Nordflügel mit

Emporensaal

3. Westriegel mit Nicolaikapelle

4. Westflügel

5. Südflügel mit röm. Zimmer

6. Schlosstheater

7. Großer Gasthof (Hotel)

8. Marstall

9. Schlossmühle

10. Wasserachse mit Bassins

11. Schlossteich

Vorstehender Text inklusive der Übersichtsgrafik sind – wie bereits eingangs erwähnt – Eigentum der Verlagsgruppe Weltbild GmbH, Sammler Editionen, und entsprechend Copyright geschützt. Wir haben die Erlaubnis bekommen, den Text zu verwenden, und bedanken uns dafür recht herzlich beim Weltbild-Verlag. Alle Fotos sind Eigentum von Timo Hecker. Wer nun Interesse hat, die Reihe “Faszination Burgen und Schlösser” zu erwerben klickt hier. Ich habe die komplette Reihe bereits zu Hause und kann sie Fans von Burgen und Schlössern nur empfehlen.

Lohnende Ausblicke und kulturelle Entdeckungen

Unser Schloss ist auf jeden Fall immer einen Besuch wert! Nicht zuletzt weil man vom Schlossberg einen fantastischen Blick über Stadt und Schlosspark hat. Ihr findet im Südflügel wechselnde Ausstellungen und Galerien, im Westflügel das Schlossrestaurant Remter und im Nordostflügel das Cinema Museum mit einer Übersicht über die Film- und Fotoausstattung vergangener Zeiten. Das Obergeschoss des Nordostflügels wird gerade renoviert. Die verschiedenen Säle kann man auch für private Feiern mieten, dafür einfach mal im Schloss oder auch bei der Tourist-Information Ballenstedt nachfragen.

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